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In Panama sind wir jetzt fertig

Written on: Tuesday October 20th, 2009

Zwei Tage Papierarbeit in Panama  Wenn ich meine Gedanken der letzten Tage alle aufschreiben würde, wären wohl doch manche Leser enttäuscht über meine Einstellung. Meine Gedanken waren nämlich nicht immer sehr sauber oder wie sollte ich es sagen? ... nicht sehr christlich. Wenn man überall stundenlang warten muss und doch selber sieht, wie die Arbeiter sich nur herumstehen und herumsitzen, dann ist es zum verzweifeln. Und doch fühlen Wilfried und ich uns eigentlich gut, dass wir den ganzen Papierkram hier in Panama in nur zwei Tagen schafften. Alles ist erledigt, der Jeep sitzt im Container und kann sich dort jetzt noch weitere Tage ausruhen, bevor er dann in den Anden wirklich hohe Berge klettern muss. Mir sind viele Dinge in den letzten Tagen und Wochen bewusst geworden. Eines ist, dass es nie möglich ist diese Reise in weniger als vier Wochen zu machen. Unmöglich! Auch wenn es nur 15.000 km sind, so sind die Grenzübergänge, die Bergfahrten und der allgemein langsamere Verkehr so störend, dass man einfach nicht vorwärts kommt, wie man es beispielsweise von Nordamerika kennt. Wenn man an einem langen Tag von 12 – 14 Stunden 500 km zurücklegen kann, dann ist man froh. Wenn man sogar 600 km zurücklegen kann, dann jubelt man schon. Und wenn man noch mehr zurücklegt, dann fühlt man sich so gut, dass man am nächsten Tag später aufstehen will, weil man ja am Vortag so viel geschafft hat. Eine andere Sache, die mir bewusst geworden ist, dass so eine Reise lange nicht nur ?Gut-gehen" ist. Es gibt so viele Momente und Tage wo man hauptsächlich frustiert ist. Alles geht langsam, alles verzögert sich! Egal wo man hinkommt, sitzen Menschen herum und scheinen nur eine Sorge zu haben: ?Wie können wir es diesen Ausländern möglichst schwer machen?" Oder: ?Was können wir tun, um ihnen einige Dollar abzuzapfen?" Einige sind geradezu frech und verlangen sofort Geld, wenn sie überhaupt was tun werden. Dabei drohen sie und sagen, dass sie die wenige Papierarbeit die sie tun sollen nicht an dem Tag schaffen, wenn sie nicht ein bisschen ?Unterstützung" bekommen. Und wenn dann erst einmal Geld auf den Tisch liegt, dann geht es meistens sehr schnell. Gut, auf den Tisch gelegt haben wollen sie es nicht. Man soll es möglichst heimlich machen, sodass niemand es sieht. Bei der Polizei wurde uns gesagt, dass es 10 Dollar Schmiergeld kosten sollte, wenn wir da nicht 5-6 Stunden warten wollten. Als es erst soweit war, dass die Arbeit gemacht werden sollte, dann wollte er schon 30 Dollar haben. Und darauf blieb er bestehen, denn, wie er sagte, müsse er seine Beute noch mit mehreren Mitarbeitern teilen. Weiter machte er es sehr klar, dass ich ihm das Geld nicht irgendwo geben sollte. Er sagte, ich solle es in ein Papier wickeln und wenn wir dann über die Straße gehen würden um auf einer anderen Stelle einige Papiere unterschreiben zu lassen, dann sollte ich ihm das ?Schmiergeld' unauffällig in die Hand schieben. Genau so machten wir es – und obwohl wir uns eigentlich ärgerten, dass wir zahlen mussten, so wussten wir zumindest, dass unsere Papiere dann auch fertig werden würden. Eine Wahl hat man in solchen Fällen kaum. Zahlt man nicht, dann werden sie es absichtlich so sehr verzögern, dass man verzweifelt und evtl. sogar zu spät kommt. Sie wissen es genau, dass man in der Klemme ist und nutzen das schändlich aus. Wirklich feige und ausbeuterisch finde ich. Heute haben wir den ganzen Kram mit dem Einschiffen erledigt. Um etwa 4.00 Uhr nachmittags war der Jeep endlich im Container und eingesperrt. Ob er nun wirklich aufs Schiff kommt, bleibt abzuwarten. Und ob das Schiff nun wirklich morgen absegelt, bleibt auch abzuwarten. Nicht ein Tag vergeht auf so einer Reise, wo man ganz genau weiß was geschehen wird. Nichts kann man als garantiert annehmen, so scheint es.  Von Kolumbien bis zum paraguayischen Chaco sind es dann noch etwa 6.000 km. Und viele Teile sind Bergstrecken – also richtig langsam! Wie man uns sagt, fahren wir streckenweise bis zu 4.800 m hoch durch die Berge. Da wird uns Tiefländer schon die Luft knapp werden. Werden dann wohl unten tief ?Atem holen" müssen, bevor wir den Berg hochfahren. Hahaha! Wie kompliziert es mit Papieren verschaffen ist, bekamen wir heute wieder zu sehen. Wir waren schon ein paarmal der Meinung, dass wir fertig seien und dann fehlte doch wieder was. Wir hatten unsere 5 Dollar gezahlt, um die Erlaubnis in den Hafen ?Manzanillos' bei Colon zu bekommen. Man sagte uns, damit sei alles erledigt. Jetzt sollten wir unser Auto bis zum Hafen bringen und dort würde man den dann in den Container stecken. Als wir aber bis zur Hafeneinfahrt waren, mussten wir erst noch eine weitere Untersuchung des Jeeps machen lassen. Und dann sagten sie, der sei zu dreckig..... !!! Unfassbar. Der wurde nämlich dort auf ihren schmutzigen Straßen erst so richtig dreckig. Hahaha! Also wusch ich (Kennert) den Jeep in drei Minuten. Oder besser gesagt, ich verschmierte den Staub mit einem naßen Lappen. Er sah nachher wenigstens fürchterlicher aus als vorher. Als das erledigt war, fingen wir an zu warten. Und warten. Und warten. Drei Fahrer sollten kommen und unsere Wagen in den Hafen fahren (Drei, weil wir immer noch mit den Amerikanern zusammen waren). Mindestens zwei Stunden warteten wir und schließlich sagten sie, wir könnten selber reinfahren. Jemand fuhr voran und wir mussten folgen. Dort gab es dann eine richtige Abschiedszeremonie. Mindestens 6 Leute waren anwesend als die Fahrzeuge in die Container gesteckt wurden. Man sagte, sie mussten bezeugen können, dass die Autos wirklich in die Container kommen. Gut, ich lasse es mal wieder bei diesem. Wilfried ist so erschöpft, der ging heute schon um 8 schlafen. Ja, so tut es, wenn man dieses ungewohnte Herumstehen und Warten den ganzen Tag lang machen muss.

Alles Gute!

 Antwort: Jemand fragte, warum wir die Strecke bis Kolumbien nicht auch fahren. Geht nicht! Da ist kein Weg. Der Busch steckt voller Terroristen und Guerilla (FARC). Wer da durchfährt, der bleibt da meistens auch. Manche wurden schon als Geisel festgenommen. Außerdem erlauben die Länder es auch nicht, dass Ausländer da durchfahren.   

 

From Edgar on Oct 20th, 2009

So, die Geduldsproben in Mittelamerika habt ihr überlebt, bin gespannt wie es in Südamerika sein wird. Fuerza muchachos, sigan adelante, les estamos esperando en el Chaco!

From Raimund und Mandy on Oct 21st, 2009

Hmmmm... das hört sich ja aber wirklich nicht so sehr interessant an. Verständlich, dass es da manchmal fast zum verzweifeln ist... aber Kopf hoch und vorwärts! Das ist bestimmt leicht zu sagen, was? Immerhin vielleicht ist ja nun wirklich das Schwierigste überstanden, hoffen wir mal. Wünschen euch auch weiter Gottes spürbaren Segen. Ihr kommt ja immer näher... suerte y animo!!!!

From Lily Harder Qatar on Oct 21st, 2009

hello,Kennert & Wilfried,freu mich das es trotz allemm,langsam voran geht.Neidisch bin ich euch die Reise nicht.Nur mutig weiter.

From fraunz p. thiessen dietschlaun on Oct 21st, 2009

ji dönen mi langsaum led. oba etj dentj hia liet maun wo goot daut es wan wie en en jeordnet launt wohnen.aus wie met ernst eitz en peru wieren en daut ewa 3500 meta jintj drunk wie vel cocatee en keiwdden de bläda daut holp sea. ewa 4000 meta woat tjen plezhea.gruß fpth vonne plautdietsch find

From zachries.fetalt@gmail.com on Oct 21st, 2009

Na jo junges, ekj woa dann nue noch wada juen berecht opp mien program brucken. Dee Lied sennt aul wada nieschierich wua jie jeblaewen sennt. Mie jeit'et uck soo ausz Raimund enn Mandy saijen, "suerte y animo"! Dale.

From Elfi on Oct 21st, 2009

Hello, ich bin eure neue Reisebegleiterin. Toll, so etwas zu machen. Ja, ja, ihr habt schon vergessen wie das in Südamerika ist. Wird mit den Banditen auch immer schlimmer, leider. Gottes Schutz weiter und lasst euch euren Spass nicht verderben.

From hello on Oct 21st, 2009

don't loose hope

From Alvin Fehr on Oct 22nd, 2009

Wenn in Süd Amerika von "mañana" gesprochen wird, -lässt Euch nicht täuschen: dies bedeutet nichts mehr als "heute nicht". Ruht mal ein paar Tage aus in Cartagena de las Indias (da gibt es schoene "playas")...ihr habt Euch das verdient.