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Die letzten paar Tage vor Panama

Written on: Friday October 16th, 2009

Panama erreicht – aber nicht ohne Probleme!  In dieser ganzen Woche schien es einfach so, als ob jeden Tag etwas grobes schief gehen musste, sodass wir nicht nach Wunsch und Plan vorankamen. Am Montag war es die Wegsperre und der anschließende Irrweg in den Bergen, am Dienstag irrten wir lange in San Salvador herum, bis wir uns schließlich von einem Taxifahrer den Weg aus der Stadt vorzeigen ließen. Gut, und jetzt will ich so einiges von den letzten drei Tagen (Mittwoch, Donnerstag und Freitag) schreiben. Auch an diesen Tagen hatten wir das .... mmmhhh, wie sage ich es? ... Vergnügen, Neues zu erleben. Neues, dass aber sehr stressig und zum Teil entmutigend war.  Mittwoch: Grenzübergang von Nicaragua nach Costa Rica – Alle Grenzübergänge haben was auf sich. Für mindestens eine Stunde ist es ein Hin- und Herlaufen. An dieser Grenze war es besonders schlimm. Bevor wir so richtig an der Grenze waren, kamen uns wieder 5 Bengel entgegengelaufen und boten ihre Hilfe an. Der Beamte, der unsere Dokumente kontrollierte, wurde von den Jungens buchstäblich zur Seite gedrängt, so aufdrängerisch waren die Jungen. Schließlich sagten wir, dass wir gerne Hilfe annehmen würden, aber nur einer sollte es machen, nicht fünf! So bestimmten sie einen. Dieser führte uns – wir waren immer noch im Auto – zu einer Stelle, wo wir durch die Auswanderungsbehörde von Nicaragua gehen sollten. Bevor wir Auto so richtig angehalten hatte, war wieder ein Uniformierter am Wagen. Dieser wirkte sehr streng und ernst, und verlangte, dass wir alle Türen sofort aufschließen sollten. Anscheinend war es ihm nicht schnell genug was dies ging, da wir alle Türen separat aufschließen mussten. Plötzlich drehte er sich um und ging einfach weg, ohne uns was zu sagen. Ich dachte schon, wir seien da fertig! Aber wie falsch ich war! Zu unserem ?Helfer' hatte er jedoch still gesagt, dass wir zur Abteilung der Drogenkontrolle (?Inspeccion de narcoticos') fahren sollten. Dies war nicht gut, das merkten wir sofort. Unser ?Helfer' schaute missmutig und er sagte, wir sollten ihm folgen. Ich war nicht sofort einverstanden, ich wollte noch wissen, worum es ging. Also gingen Wilfried und ich dem Beamten nach und fragten was das solle? Und wenn wir es wirklich tun mussten, dann könnte er es uns selber sagen, und nicht nur einen anderen. Er bestätigte jedoch, dass wir nach hinten zur Kontrolle sollten. Dort werden die Fahrzeuge buchstäblich auseinander genommen und gründlich kontrolliert. Von Hunderte Fahrzeuge die dort über die Grenze fahren, sucht man sich eine handvoll aus um gründlich durchzusuchen. Und natürlich musste dies uns treffen!!! Wir waren wohl Verdächtige – zwei junge Männer mit einem alten Jeep auf einer Durchreise! Nein, es ging hier überhaupt nicht darum, dass wir dem Muster ihrer Verdächtigen ähnelten. Es ging hier nur darum, unsere Weiterreise zu verzögern. Es ging darum, uns zu ärgern, das spürten wir sehr deutlich.  Missmutig fuhren wir in einen hinteren Winkel, wo Dutzende große Lastwagen standen, die auch durchsucht werden sollten. Der ganze Hof war unter Matsch. Mann konnte kaum einen Schritt gehen, ohne im Dreck zu treten. Neben der Kontrollstelle standen schon ein Dutzend alte Lastwagen, die zum größten Teil schon mit Ranken bewachsen waren. Der Platz sah sehr verwahrlost und beinah gespenstisch aus. Vier Lastwagen wurden gerade geräumt und ein Mitsubishi Pickup ?auseinandergenommen'. Wenn sie mit dem erst fertig seien, würde man sich an unseren Jeep heranmachen, wurde uns mitgeteilt. Sämtliche Teile werden abmontiert und dann sucht man mit Hilfe eines Spürhundes nach Drogen. Inzwischen ging ich zum Vorgesetzten der Abteilung und bettelte um Gnade. Ich erklärte ihm den Sinn unserer Reise und sagte zu ihm, dass doch nie Drogen von Kanada nach Paraguay geschmuggelt wurden. Vom Süden nach dem Norden ja, aber nicht umgekehrt! Er war freundlich und verständlich und sagte sie würden es schnell machen. Dazu freuten wir uns, aber wir wollten er erst sehen. Während sie den anderen Pickup durchsuchten, standen wir uns da auch herum. Sie montierten gerade den Brennstofftank ab, als der Spürhund sehr unruhig wurde. Er roch an dem Fahrzeug etwas (die Rasse von Hunden werden darauf trainiert, Drogen zu finden, auch in den unmöglichsten Plätzen). Jetzt ging man an der Arbeit den Tank zu entleeren und das dauerte. Während alledem standen wir nur herum und warteten ... und warteten. Inzwischen bekam der oberste Offizier noch Besuch von seinen Vorgesetzten, sodass er keine Zeit für andere Dinge hatte. Während der nächsten halben Stunde lief er sich wie ein Dackel mit seinem Besuch herum und zeigte ihnen wohl die katastrophale Lage der Einrichtungen, damit sie ihm etwas mehr Geld geben um den Hof und die zerfallenen Gebäude aufzuräumen. Mittlerweile hatten wir dort schon beinah 2 Stunden herumgesessen. Halb zwei waren wir bis zur Grenze gekommen und etwa 4.00 kam ein Kerl – derselbe, der uns zur Kontolle geschickt hatte – und forderte uns auf, alle Sachen aus dem Auto zu packen. Dann machte er sich dran und in etwa 5 Minuten schaute er unter die Sitze, unter die Motorhaube, klopfte überall ran und guckte noch etwas in unser Gepäck. Dann waren wir fertig. Er schrieb uns einen Zettel aus, dass alles in Ordnung sei. Sie ersparten uns also doch die volle ?Durchsuche', bei der sie wie schon gesagt, viele Autoteile einfach losnehmen und gründlich durchschauen. Als wir dort kurz nach vier fertig waren, suchte man immer noch nach Drogen bei den einen Pickup, der schon lange vor uns da war. Jetzt machten wir uns dran, alle Papiere in Ordnung zu kriegen und dann waren wir fertig. Dies dauerte noch etwa eine Stunde. Wir waren entpumpt und sichtlich entmutigt nach alledem. Als ein Beamter uns bei der Einfahrt nach Costa Rica noch nach ein bisschen Schmiergeld fragte, damit er unseren Jeep nicht durchsuchte, sagten wir ihm nur er könne den durchsuchen so sehr er wolle, aber Geld wollten wir den nicht geben. Daraufhin sagte er nur, wir sollten fahren. Solche Erfahrungen machten wir übrigens mehrere, wo Polizisten oder Grenzbeamten ganz direkt nach Geld fragten/ bettelten. Unverschämte Kerle sind es!  Donnerstag: Wenn Dinge erst schief gehen, dann gehen sie alle schief! Oder so erschien es uns wenigstens in dieser Woche. Auch an diesem Tag sollten wir Dinge erleben, die uns sehr unangenehm waren. Wir waren am Vortag noch bis in Costa Rica gekommen, aber schon nicht weit gefahren, weil wir völlig erschöpft waren. Das war übrigens an jedem Abend so. Nach 12 – 14 Stunden Fahrt waren unsere Batterien meistens leer. Deshalb standen wir aber auch an diesem Donnerstag wieder früh auf uns machten uns auf den Weg. Heute ging es also durch Costa Rica. Und wie an jedem Tag dieser Woche, waren wir voller Hoffnung eine gute Strecke hinter uns zu legen. Und wie an den anderen Tagen, fing auch dieser Tag gut an. Wir konnten in den ersten Morgenstunden gut vorwärts kommen. Um etwa 11.00 Uhr kamen wir bis zur Stadt San Jose, Hauptstadt von Costa Rica. Eigentlich wollten wir gar nicht in die Stadt rein, aber der Umweg hatte eine Umleitung und so kamen wir mitten in die Stadt. Es dauerte auch nicht lange, da hatten wir wieder unsere Orientierung verloren. Wir waren wieder zuweit in die Stadt geraten. Als wir bei einer Ampel anhielten, merkte Wilfried wie irgendwo bei einem Reifen Wind herausblies. Zuerst dachten wir es sei bei einem Bus, der neben uns stand. Aber beim Weiterfahren hörten wir, dass es bei unserem Jeep war. Weil es aber eine sehr ?drocke' Straße war, fuhren wir in eine kleine Nebengasse, wo wir mehr Ruhe hatten. Trotzdem waren wir nur wenige Meter von der Hauptstraße und es waren auch ständig Menschen zu sehen. Um den Reifenwechsel zu machen, mussten wir die meisten unserer Gepäcke herausnehmen. Die stellten wir neben den Jeep hin und machten uns an die Arbeit. Der Reifen ging schnell leer und es war auffällig, dass das Loch ganz an der Seite war. Ich sagte zu Wilfried noch, dass es doch unmöglich sei, dass der Reifen an der Stelle – ganz an der Seite – kaputtspicken könnte. Als wir den Ersatzreifen schon anmachen wollten, ging ein Jugendlicher vorbei und grüßte höflich. Sonst sagte er nichts. Bald kam noch einer und bot uns seine Hilfe an. Er sagte, er wüsste eine Stelle, wo wir den Reifen reparieren könnten. Mir fiel sofort auf, dass er trockenes Blut am linken Ohr hatte. Ich traute ihm nicht so recht, also behielt ich ein Auge auf ihn während ich den Reifen anmachte. Plötzlich ergriff er meine Kameratasche, wo meine Kamera und etwa US$ 1.000 drin waren. Ohne zu überlegen lief ich ihn nach und schrie etwas. Was ich schrie, weiß ich schon nicht. Auch Wilfried brüllte ihn ?bandido" hinterher. Wenn ich ihm auch nur einige Meter verfolgte, so war ich schon in Reichweite ihm eins zu hauen. Da ließ er die Tasche fallen und verschwand. Auch sein Kumpel, der nicht eingriff, lief weg. Was ihn nun wirklich veranlaßte die Tasche fallenzulassen, weiß ich nicht. Aber froh war ich, dass es nicht zu schlimmeren Umständen kam. So oft sind diese Jungs noch mit Messern oder anderen Waffen ausgerüstet. Aber daran dachte ich nicht, als ich mich auf die Verfolgungsjagd machte. Was mich bei dem Ganzen zum Staunen brachte, war, dass noch andere Menschen herumstanden, alles beobachteten und nichts unternahmen. Einige ahnten oder wussten ganz genau was die Jungs wollten und doch bewegte sich keine ?Seele'. Was noch schlimmer war, dass die Jungs selber unseren Reifen wahrscheinlich kapputgespickt hatten. Ich erinnerte mich noch genau daran, dass einige Personen in der Nähe des Jeeps waren, als wir bei der Ampel anhielten. Der Schnitt im Reifen sah aus, als ob jemand ein spitzes Messer in den Reifen gestochen hatte. Das bestätigte später auch der Mechaniker, der den Reifen für uns flickte.

Also dies ganze Abenteuer setzte uns wieder ein paar Stunden zurück und hinterließ einen bitteren Geschmack im Mund.

 Soweit für heute. Schlupt ola schein enn blieft moetich! Bis bald!

 

From fraunz p.thiesen dietschlaund on Oct 17th, 2009

dankscheen fe dem berecht.etj jlew de benjel wist wan dies groota mennotjedel mi tjricht woat he mi sea de noasch vollhewen in dowejen let he de tausch faulen.blift mötich "aun gott sien sejen es aules jelejen" aulet goode wieda. gruß fpth. vonne plautdietsch frind üt dietschlaund

From Hein & Mika Friesen on Oct 17th, 2009

Eure Reiseberichte sind spannend zu lesen, aber das alles "live" zu erleben bringt wohl manchmal auch "andere Gefühle" mit sich. Ánimo, PACIENCIA, Gottes Schutz und Segen für die weiteren Strecken!

From ORO on Oct 17th, 2009

Hey Jungs, das hoert sich ja fast nach einen Roman an, aber ANIMO ihr seid ja bald aus dieser Gegend raus. Moege Gottes Schutz euch weiter begleiten...Alles Gute weiter.....saludos de Computacion LP

From alvin fehr on Oct 17th, 2009

By the time you have arrived in Paraguay,-you can just print your diary and put a cover on your new book. Enjoy your adventure, you will not repeat this very soon, OR?

From Raimund und Mandy on Oct 17th, 2009

Na ja, das ist ja schon Allerhand... aber mit dem Risiko habt ihr die reise ja auch angetreten, dass es nicht überall am Schnürchen oder wie geplant laufen würde und trotdem wohl mit dem Wunsch, dass alles bestöglich veräuft. Wünschen euch weiter Mut und Kraft für die Reise, bestimmt kommen noch wieder andere bessere Tage, die euch diese Strapazen schnell ins Rückfeld fallen lassen. Suerte und Gottes Segen und Geleit auch weiter auf euer Reise!

From tina on Oct 17th, 2009

ga ich und rebekka sind alle tage "nugirich" nach ech und beten vur ech das ierh kent doch glilich dort an kommen

From Ewald Goetz on Oct 17th, 2009

Danke das ihr euch die Zeit nehmt um eure Erfahrungen nieder zu schreiben. Wir als solche die euch auf der Reise mit unseren Gebeten begleiten wissen dadurch wie es euch geht und koennen noch gezielter beten. Aber es ist bestimmt auch fuer euch gut eure Gefuehle und Enttaeuschungen zum Ausdruck zu bringen anstatt nur zu sagen es lauft alles ohne Probleme. Danke das ihr uns in allem mitnehmt auf eurer Reise. Ihr habt auch schon immer wieder Gottes sichtbaren Schutz in den letzten Tagen erlebt, besonders auch bei dem geplannten Diebstahl. Gott die Ehre dafuer!!! Moege dieser Schutz Gottes auch weiter spuerbar nahe sein fuer euch!

From Benjamin Penner, Kol.Sommerfel on Oct 17th, 2009

Que interesante, wirklich interesant was ihr alles erlebt, ich warte schon auf dem naechsten bericht, wuensche euch weiter Gottes Geleit und "Animo"