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3. Oktober - von Cuauhtemoc

Written on: Saturday October 3rd, 2009

Bis Cuauhtemoc – 2. Oktober Etwa 4.100 km liegen hinter uns – das ist ungefaehr der gesamten Strecke. Beinah 300 Dollar haben wir an Brennstoff verbraucht. Wir fuhren um 12.30 Uhr mittags bei der Kolonie Oasis los und hatten nur knapp 300 km zu fahren. Also kamen wir recht frueh in Cuauhtemoc an, wo wir bei Wilhelm Thiessens (Campo 1C Thalbach) uebernachten wollten. Allerdings erwartete uns dort das Gegenteil von Nachtruhe und Gelassenheit. Thiessens hatten mit Hilfe von Peter Ensen (Campo 1B Neuendorf), ihrer Tochter und anderen Freunden eine Discada * vorbereitet und das fuer mehr als 30 Personen. Also es gab ein richtiges Fest bei guter Laune. Dies war eine voellige Ueberraschung fuer uns und wir erfreuten uns an der guten und heiteren Gesellschaft. Und, glaubt mir, das Essen war einfach fabelhaft. Es fiel uns richtig schwer, als wir nach ein paar Tellern vom Tisch gehen mussten, weil die Frauen ja auch noch essen wollten. Beinah neidisch sahen wir zu – wenn auch mit vollem Bauch – wie die Frauen sich an das leckere Essen heranmachten ☺. Obwohl wir die meisten Personen erst an dem Abend kennenlernten, so fanden wir schnell gemeinsamen Gespraechsstoff und so dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Witze geknackt wurden. Und, wie es unter uns Mennoniten sehr ueblich ist, wenn ein unschuldiger Aussenseiter kommt, dann versucht man sie durch Raetsel und Witze reinzulegen. Und das gelang den Freunden aus Mexiko sofort. Wir standen bei einigen Raetseln so dumm da, dass sie sich gut freuten und uns auslachten. Na ja, wir hatten auch nichts dagegen, dass sie uns auslachten. Spass soll ja gesund sein, also konnten wir auf diese Weise vielleicht etwas fuer die Gesundheit der Anwesenden tun ☺.Dies war unser zweiter Tag in Mexiko. Wir hatten bisher nur 400 km in diesem riesigen Land gefahren und wussten, dass uns die naechste Woche noch weit ueber die Steppen und Oeden von Mexiko fuehren sollte. Obwohl wir in den ersten zwei Oktobertagen gar nicht weit an Kilometer gefahren waren, so waren wir einen ganzen Tag bei den Kolonien bei Oasis herumgefahren. Dies machten wir allerdings als Mitfahrer. Fuer einen Tag konnten wir uns ausruhen und das Fahren anderen ueberlassen. Willy Dyck und Abe Elias waren unsere Fuehrer (und Fahrer) und Wilfried und ich waren uns ganz einig, dass wir uns keine passendere Personen haetten aussuchen koennen, um so viel wie moeglich ueber die Kolonien der Gegend zu erfahren und lernen. Oasis und Las Bombas wurden vor knappe 14 Jahre angefangen und die anderen umliegenden Kolonien alle noch spaeter. Sie leben vom Ackerbau. Die Gegend sieht wie eine Wueste aus, bis man dann in die Kolonien kommt. Dank der Mengen an Grundwasser, koennen sie hier Baumwolle, Wassermelonen, Erdnuesse, Mais, Hafer, Kafir, Weizen, Chiles und vieles mehr anpflanzen. Interessant war es uns auch, dass immer Bauern mit Nuessen experimentierten. Heute, am 3. Oktober, verbrachten wir den Tag in der Umgebung von Cuauhtemoc. Hier Leben in einem kleinen Umkreis etwa 25.000 plattdeutsche Mennoniten. Es war regnerisch aber sehr angenehm. Da ich hier schon mehrere Male war, konnte ich Wilfried eine Tour geben und ihm einen kleinen Einblick von Leben und Arbeit der hiesigen Mennoniten geben. Die Mennoniten hier sind sehr geschaeftlich und am Rande der Ruta zwischen ?Rubio' und Cuauhtemoc (35 km) sind lauter Geschaefte und Fabriken. Die Doerfer nach mennonitischem Stil angelegt liegen etwas weiter entfernt vom Weg. Es ist sehr beeindruckend, wenn man sieht, wieviel die Mennoniten hier aufgebaut haben. Diese Gegend ruehmt sich ausserdem, die schoensten und leckersten Aepfel der Welt zu haben – und glaubt mir, ich wuerde nicht dagegen streiten. Die Aepfel hier sind auf jeden Fall besser als die, die wir frueher in der Kooperative von Loma Plata kauften, die schon eine Woche lang auf der Ruta Transchaco gesessen hatten ☺. Aber ehrlich, die Aepfel hier sind so schmackhaft wie sonst nicht auf vielen Stellen. Manche Mennoniten haben Hunderte Hektar Apfel-Plantagen und sind in den ?guten Jahren' wohlhabend geworden. Ein Hauptgespraechsthema hier ist die Unsicherheit im Lande. So z.B. wurde diese Woche ein Mennonit entfuehrt und die Familie musste 120.000 Dollar Loesegeld zahlen; ein anderer wurde angeschossen und mit Frau und zwei Kleinkinder zusammen gequaelt (dies waren Diebe, die nachts ins Haus kamen); ein weiterer mennonitischer Mann wurde im Staat Durango mit Messerstichen getoetet; und so koennte man noch fortfahren, wenn man einige Wochen zurueckgehen wuerde. Also viele Mennoniten machen sich ernsthafte Gedanken, wie dies weitergehen wird. Hinzu kommt noch, dass in der Gegend wo die noerdlichen Kolonien sind, unheimlich viel Gewalt und Brutalitaet zwischen den Drogenkartellen, der Polizei und dem Militaer geschieht. Beinah taeglich werden Menschen grausam ermordet, und dies mitten in den Staedten, wo Mennoniten taeglich ihre Geschaefte treiben. Die Polizei ist voellig machtlos. In der Kleinstadt Namiquipa, angrenzend an ein paar Kolonien, hat man in diesem Jahr schon den dritten ?Intendente' (Buergermeister) ermordet. Wer will dann noch Buergermeister oder Polizist sein?Zu unserem Jeep: Wir haben ihm heute eine Bluttransfusion (Oelwechsel) gegeben und sonst scheint er in Ordnung zu sein. Auf die Frage, ob er uns eine Garantie dafuer gebe, dass der Jeep es bis Paraguay schaffe, sagte der Mechaniker: ?Die Garantie fuer meine Arbeit heute am Jeep reicht bis da, wo er kaputt geht!" Hahaha! Jetzt wollen wir gleich ein Interview fuers Plattdeutsche Radio machen, dann noch einige Bilder in den Apfel-Plantagen machen und am Abend wollen wir dann ausruhen und eine gemuetliche Zeit mit Bram und Ruth Siemens verbringen. Morgen geht die Reise weiter nach Durango – etwa 850 km suedlich von Cuauhtemoc. Genau dort gab es in dieser Woche die Entfuehrung und den Mord. Gluecklicherweise wurden einige Taeter schon gefasst. Ansonsten sind wir beide gesund und bei bester Laune. Hier ein paar Statistiken und interessante Anekdoten: Wir sind insgesamt 4.200 km gefahren. Cuauhtemoc liegt etwa 2.050 Meter ueber dem Meeresspiegel. Wir haben eine Nacht im Hotel verbracht, ansonsten bei Mennoniten in ihren Heimen. Einige Menschen lassen sich mit unserem Jeep zusammen fotografieren (aber nicht mit uns ☺). Hier in Mexiko werden wir mehr Geld fuer Weggebuehren (peajes) als fuer Brennstoff ausgeben. * Discada/ Disco – Dies ist ein typisches Essen der Mennoniten hier in Mexiko. Man bratet Fleisch in einer grossen Scheibe (Pflug-Disk) an, tut verschiedene Gewuerze und Gemuese hinzu und laesst es so fuer ne Weile brodeln. Daneben gibt es dann noch Salat, gekochte Bohnen, Acuacate und verschiedenes anderes. Dann tut man das Fleisch und andere Zutaten in eine ?tortilla' (eine runde Teigrollen, aehnlich wie ein duenner Pfannkuchen).

 

From Edgar Funk on Oct 3rd, 2009

Hallo Jungs! Finde eure Berichte "super" und werde euch weiter auf "vamoparaguay" begleiten. Also, macht weiter so und alles Gute!

From franz.thiessen on Oct 4th, 2009

etj frei mie daut ji good reisen grus fpth vone plautdietsch frind

From Ludwin Krahn on Oct 4th, 2009

Hallo Jungs interesand von euch zu sehen und hoeren!Solche Bilder fehlen in PY auch!Ales gruen und gute Ernte!

From Norbert on Oct 4th, 2009

Hey Kennert u. Wilfried Ich war in Mexiko fuer 2 Wochen im August.( Mexico City) Das essen ist total anders als man es gewoehnt ist. Aber es schmekt gut. Wir hatten lange nicht immer Messer u. Gabel auf dem Tisch. So mussten wir das essen im "tortilla" rein und essen. Aber ansonsten wuensche ich euch viel Freude auf eure Reise und moege der Herr euch bewahren und Gesundheit schenken. Naechste Reise will ich mit.

From Erny Wiebe on Oct 4th, 2009

Sehr gute berichte,sehr interesant die zu lesen,,ich kuck jeden Tag ob es was neues gibt! MUCHA SUERTE Y MUY BUEN VIAJE!!!

From Kelly Klassen on Oct 5th, 2009

mmmm Disco wuerde ich auch mal wieder probieren. Es hoert sich so an es gibt da eigendlich keine schlechteren tage auser der jeep streickt. Ich wuensche euch viel mut und spass weiter auf eure reise.

From doRis krahn on Oct 8th, 2009

;-)