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Huaraz Teil II

Written on: Tuesday June 1st, 2010

A journal entry from: America del Sur

By Gastschreiber
 
Lang ersehnt, ungeduldig erwartet und bereits auf allen Kommunikationskanälen angekündigt leitet dieser Text eine vierteilige Serie der vierwöchigen Abenteuer der vier Freunde ein. Viel Spass beim Lesen.
 
Es ist Sonntag, früher Morgen und kalt. Mirco und ich (Igor) steigen mit unseren schweren Rucksäcken aus dem verspäteten Nachtbus. Einmal Schweiz-Madrid-Lima-Huaraz in gut 30 Stunden ist nicht spurlos an unseren Gesichtern vorbeigegangen. Rosche, der sich kurz zuvor noch einen "Sex-Burger" gewährt hat, und Cristina warten dick eingepackt am Busterminal. Huaraz befindet sich auf knapp 3100m und es kann empfindlich kühl werden. Eine herzliche Begrüssung später bewegt sich die abenteuerdurstige Vierergruppe richtung Hotel "Virgen del Carmen". Das Hotel ist mit gut 3 Dollar pro Nacht sehr günstig, die Zimmer und sanitären Einrichtungen simpel und zweckmässig, das Personal meist sehr freundlich, die Lage sehr zentral und der Lärmpegel hält sich in erfreulichen Grenzen (wenn nicht gerade nach "Elio", dem Angestellten, gerufen oder eine peruanische Volleyballmannschaft einquartiert wird). Das Hotel hat zwei Terrassen. Die obere bietet einen wunderbaren Blick in die Berge der Cordillera Blanca. Auf der unteren Terrasse, unmittelbar neben unserem Zimmer und immer noch mit Bergsicht, essen wir Frühstück. Die Zutaten haben Cris und Rosche im Mercado Central besorgt. Müsli mit Früchten und Joghurt, Orangensaft und Brot mit Avocado und natürlich Coca-Tee - dies sollte sich als unser Standardfrühstück erweisen. Lecker! Interessant: Als wir den Benzinkocher auspacken, um jeweils das Wasser auf der Hotelterrasse zu kochen, kommt die Hotelchefin angerannt. Statt uns die Benutzung zu verbieten betrachtete sie den Kocher ganz interessiert und bombardierte uns mit Fragen. Andere Länder, andere Sitten.
 
Huaraz ist eine spezielle Stadt. Eigentlich nichts schönes, aber schön gelegen. Auf den Märkten herrscht emsiger Betrieb, der Verkehr wird durch Hupen automatisch geregelt und Autos haben natürlich Vortritt, die Gebäude werden aus versicherungstechnischen Gründen nicht fertiggebaut, sodass aus allen "Dächern" Armierungseisen emporsteigen. Der Abfall wird jede Nacht von den Strassen entfernt - jedoch nur vor die Stadt gebracht, wo sich die Abfallberge als Wegweiser Richtung Huaraz etablieren könnten. Vor den Banken bilden sich jeden Tag grosse Schlangen, anscheinend weil die Leute Kredite beantragen wollen. Eindrucksvoll ist auch die grosse Menge der Agenturen, die Material vermieten und Trips organisieren. Die Stadt wurde 1970 durch ein schweres Erdbeben zerstört und musste fast vollständig wieder aufgebaut werden. Dies ist wohl der Hauptgrund für den fehlenden Charme. Einzig die schönen Plazas lockern den Gesamteindruck ein wenig auf. Erwähnenswert ist natürlich noch das Cafe Andino, ein schönes aber eher teures Cafe, welches mit seinen bequemen Sesseln und der umfangreichen Bergsteiger-Bibliothek zum Verweilen einlädt. Das Cafe wird sich im Laufe der Zeit quasi zu unserer Basis entwickeln. Hier treffen wir auch einige Leute (wieder), so z.B. einen CS-Banker, der sich für sechs Wochen einen schweizer Bergführer gemietet hat und in einem schweizer Hotel logiert - Geldsorgen scheint er nicht zu haben.
 
Um Mirco und mich noch etwas an die Höhe zu gewöhnen, unternehmen wir am nächsten Tag zu viert eine Wanderung zur Laguna Churup (knapp 4500m). Wir nehmen wenig Gepäck mit. Es geht gut, aber die Höhe spüren wir schon. Mein Fuss, den ich erst fünf Wochen zuvor gequetscht hatte (danke, IKEA) hält sich ziemlich gut. Ich bin von Anfang an mit den festen Bergschuhen unterwegs, da diese mehr Stabilitt bieten. An der Lagune testen wir nebst der Sonnenbeständigkeit unserer Haut den Benzinkocher und Mirco's Wasserfilter. Der Wasserfilter ist eines der Highlights, denn er funktioniert mittels Gravitation und erspart uns so das mühselige Pumpen wie bei den Katadyn-Filtern. Wasser einfüllen, Beutel aufhängen, durchlaufen lassen, fertig. DAS ist Luxus!
 
Sehr anspruchsvoll und gänzlich unbekannt für uns alle gestaltet sich die Vorbereitung des Treks in der Cordillera Huayhuash. Uns wurde durch den Näher, el cosinero Youraq Janka, kurz Youri, ein Arriero empfohlen: Alejandro Basilica aus Llamac. Bei Youri mieten wir ein Küchenzelt und er organisiert uns auch eine grosse Gasflasche. Doch als wir die Dinge abholen wollen ist noch nicht alles da. Nur ruhig Blut, in Südamerika funktionert alles irgendwie, aber nie wie geplant. Youri bringt uns die Ware später direkt ins Hotel. Am meisten Kopfschmerzen bereitet uns jedoch der Proviant. Durch Rosches fleissiges Mundwerk ergattern wir eine Proviantliste einer Agentur. Im Cafe Andino stellen wir uns Menupläne zusammen und fragen uns die ganze Zeit, ob der Arriero wohl viel oder sehr viel essen wird. Am nächsten Tag ist Einkaufen am Mercado Central angesagt. Wir hangeln uns von Stand zu Stand und kaufen im grossen Stil ein. Immer mit Blick auf das Ablaufdatum. Das ist auch wirklich nötig, denn man will uns teilweise seit mehreren Jahren abgelaufene Produkte andrehen. Die Odyssee dauert Stunden und nagt bei der einen oder beim andern an den Nerven (ist das Gleichberechtigungskonform?). Mirco und ich wundern uns über die verschiedenen Guetzli, die in rauen Mengen eingekauft werden. Das eigentliche Highlight aber ist eine Wurst, salamiähnlich und sehr schmackhaft gewürzt. So einfach kann man Rosche glücklich machen!
 
Nun kann das Abenteuer beginnen... 

 

From mirco on Jul 7th, 2010

ändlich isch de erschti teil vo üsem teil vom biitrag online ;-)

From Cris on Jul 7th, 2010

Muchas gracias chicos ;-))

From Martina on Jul 8th, 2010

Mega cool! Das "Warten" hat sich gelohnt... ich freue mich auf die Fortsetzung... es kann auch etwas dauern, den wer will bei diesem schönen Wetter schon Blog schreiben ;-)!? Liebe Grüsse nach Südamerika

From sofra on Jul 14th, 2010

Ja genau das hend mier Igor, "viel Spass bim läse und bim Föteli aluege". Toll die Bricht !!! macht grad Lust uf nu me ;-) ä ja das gits; isch ja e fortsetzigs Roman vo "vier Freunde in America del Sur" ganz, ganz spannend ...

From gwundernase on Jul 14th, 2010

@Rosche ! Sex Burger ? Interpretation; Kann nur eine Vorsorge gegen eine vier wöchentliche Abstinenz sein ;-)