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Ricaurte

Written on: Thursday February 25th, 2010

A journal entry from: America del Sur



Achtung, dieser Blog ist wahrscheinlich nicht sehr interessant fuer euch. Ich schreibe ihn mehr, um mir selber alles in Erinnerung zu behalten. Ich warne euch also vor, jeder ist selber schuld, der/die ihn liest, und nachher denkt, es war langweilig ;-))!!


Ricaurte ist ein Urwaldkaff auf ca 1300 m ueber Meer, ca 3 Autostunden von Pasto und weitere drei Stunden von Tumaco (am Meer) entfernt. Dort lebte die Familie Seeholzer von 1980 bis 1985. Ja, auch ich, Cristina verbrachte dort drei Jahre. Wie schon im vorherigen Blog erwaehnt, wurde uns die Reise nicht unbedingt angeraten. Da aber zur Zeit alles still zu sein scheint, (obwohl man ja nie ganz sicher sein kann), fuhren wir am Dienstag mit drei Kolumbianer, die wir schon in Pasto trafen, und die meine Eltern auch schon kannten (wir waren einen Abend bei ihnen zum Nachtessen eingeladen. Und wie das ja hier so ist, es waere kein Essen ohne Fleisch.... sie haben uns ein schreckliches Huenchen aufgetischt, uns so mussten unsere maennlichen Schweizer eine doppelte Portion Pollo (Huehnechen) essen ;-). Ich weiss heute noch nicht, ob sie unsere Aktion bemerkt haben!!!), in einem Colectivo nach Ricaurte. Dort angekommen, erwarteten uns viele Leute, alle umarmten uns herzlich und ich verdrueckte doch ein paar Freudentraenchen. Es war ein sehr spezielles Gefuehl, tatsaechlich sowas wie nach Hause kommen. Ich kann das nicht richtig erklaeren. Es sind auch nicht bewusste Erinnerungen. Einfach das Gefuehl, angekommen zu sein. Aber viel Zeit blieb uns nicht, wir konnten gerade mal unser Gepaeck in ein wunderschoenes Holzhaus bringen, wo wir schlafen konnten. Dort leben drei pensionierte Schwestern, die frueher alle Lehrerinnen waren. Dann wurden wir ca 3 Haeuser weiter bugsiert, wo es Almuerzo (Mittagessen) gab. Eine riesige Suppe, dann einen riesen Teller mit Reis, Huenchen, Kochbananen fritiert (mega fein!!!) und Salat. Auch hier wieder arme Maenner;-)! Aber was wollen wir, die Leute kochen uns extra ein reiches Mahl! Da kann man nicht sagen, man esse kein Fleisch. Die Leute verstehen das nicht. Auf jeden Fall waren wir nach dem Dessert so richtig vollgestopft. Entschuldigung, normalerweise schreiben wir nicht so ausfuehrlich was wir genau essen, ist ja auch nicht spannend fuer euch. Hier muessen wir aber, weil wir in unserem ganzen Leben noch nie so viel aufs Mal essen "mussten"! Endlich koennen wir uns lebhaft vorstellen, wie sich eine gestopfte Gans fuehlen muss!! Die armen Gaense!! ;-) Weiter gingen wir wieder zurueck wo wir wohnten (es ist alles ziemlich nahe, es ist ein kleines Dorf...Jedoch fanden meine Eltern, es sei riiiesig geworden... uiii, das muss ja ein KaffKaff gewesen sein!!!). Dort gab es tinto y aromatica (Kaffe und Tee), Kaese und Brot. Aber man kann ja nicht einfach nichts essen, man wuerde die Leute kraenken... Gut, weiter dann gings zu einer Fiesta, die sie extra fuer uns organisiert haben. Diese fand im Pfarrhaus statt, wo wir auch wohnten damals. Als wir dahin gingen, laeuteten gerade die Kirchenglocken (von Hand, selbstverstaendlich!) und wir dachten schon, dass das auch fuer uns sei ;-). Wir stellten aber nachher fest, dass eine Messe stattfand zur selben Zeit. Zu diesem Willkommensfest kamen ca 30 Leute. Es spielte zuerst eine Band, superschoen, und wir wurden fast zum tanzen gezwungen. Dann sangen sie ein Lied, das sie extra fuer uns gedichtet haben. Ich habe leider nicht alles verstanden, hoffe aber den Text noch zu bekommen. Sie sangen da ganz viel von mir, und zeigten mir dazu Bilder von mir als kleines Maechen (unter anderem eines, wo ich genussvoll in ein Pollo beisse ;-D). Ich war so geruehrt, dass halt schon wieder einige Traenchen flossen. Dann sangen wir Lieder, und wir vier wurden reich beschenkt, mit wunderschoener Kunst aus Ricaurte. Die Frauen bekamen eine wunderschoene Handtasche, Markus eine Schreibmappe und sogar Rosche wurde mit einem Portemonnaie und einem Armband beschenkt! Ja, und dann gab es mal wieder etwas zu essen (diesmal aber Fleisch, kein Huenchen, welches aber trotzdem unsere Maenner essen mussten! Dieser Fleischtausch muss immer relativ schnell und unauffaellig passieren ;-)) Dessert gab es auch, Kokosraspeln mit Panela (Rohrzucker) und Kaese....


Zum guten Glueck war das Fest schon so um ca 21 Uhr vorbei, so dass wir schlafen gehen konnten. Die vielen Leute, das viele Spanisch, die Emotionen, das erschlaegt einen fast. Am anderen Tag gings mit einem riesigen desayuno (Fruehstueck) los. Naemlich bekamen wir Ruehrei, Fruechte, fritierte Kochbananen, Brot, Kaese, Kaffe (diesen suessen Kaffe mit Panela hab sogar ich gerne!), Tee, Jugo,... unglaublich. Und das isst man, ohne ueberhaupt Hunger zu haben. Anschliessend gingen wir eine Schule besuchen, die eine Frau, mit der meine Eltern zusammengearbeitet haben, aufgebaut hat. Diese ist vorallem fuer Kinder aus dem Urwald, die vertrieben wurden und kein Geld haben. Dort bekamen wir selbstverstaendlich Jugo und Galletas (Also so Crackers) und wir verteilten Suessigkeiten. Nachher fanden wir 5 Minuten fuer uns, wo wir durch das Dorf schlendern wollten. Beim Wollen blieb es, da alle 10 Meter jemand auf uns zu kam, sich erinnerte, sich freute, mit uns reden wollte, uns einladen wollte,.... Dazu ist zu sagen, dass sich erstaundlich viele Leute an ganz viele kleine Sachen erinnern koennen. Zum Beispiel erzaehlte uns jemand, wie ich einmal in einen Wasserkuebel fiel, oder sie wissen noch, wie ich mir mal den Arm verbranne, oder immer nach Suessigkeiten gefragt haette, und und und. An Detaills erinnern sich die Leute!!!! Auf jeden Fall landeten wir auch in einem Dorflaedeli, wo wir immer eingekauft hatten und ich immer was Suesses bekam. Diese Frauen wollten uns nicht mehr gehen lassen, schenkten uns Guetzli, gestrickte Decken fuer den Tisch, Handtaschen und Huete, und dabei haben sie selber nichts, da es unterdessen viele andere, modernere Laeden gibt. Und sie verdienen fast nichts mehr. Es ist einfach unglaublich. Schlussendlich mussten schauen, dass wir nicht zu spaet zum Mittagessen kaemen. Trotzdem wollte mein Vater noch schnell Geld holen. Schnell ist halt schwierig dort... unter anderem mussten wir 5 Minuten vor dem Almuerzo noch ein Glace essen. Klar wars fein!!! ;-) Dann bekamen wir ein wunderbares Mittagessen im Hause der drei Lehrerinnen. Diese wussten, dass wir kein Fleisch essen, und gaben sich unendlich Muehe, kochten mega viel Gemuese (schon auch Fleisch natuerlich, da ja auch der Pfarrer mit uns ass), und sie servierten auf Platten, nicht auf dem Teller. So viel es niemandem auf, dass zwei kein Fleisch assen ;-). Aber es war einfach viiiiel zu viel. Es ist ja mit viel Liebe gemacht, aber so viel kann kein normaler Mensch essen! Natuerlich mit einer riesigen Suppe vorher und einem Dessert nachher. Dann war nur gemuetliches beisammen sein angesagt, und Rosche und ich besuchten noch die Nachbarn. Er war frueher Ministrant, und auch er mag sich an mich erinnern! Dort wurden wir genoetigt, heisse Schokolade (es ist heiss in Ricaurte!!) zu trinken und so eine Art Pastete mit Bananen, Kaese und Fleisch zu essen. Schon bald ging mussten wir weiter zur naechsten Einladung. Dort gab es zum Glueck "nur Kochbananen und ein Spiegelei" (was aber soooo fein ist!!!). Hier riefen uns die Lehrerinnen an, und fragen wo wir seien. Sie haetten fuer uns Nachtessen gekocht.... uiuiuiuiiii! Die waren kurz etwas wuetend. Am liebsten haetten diese Frauen gehabt, dass wir immer bei ihnen sind und bei ihnen essen. Die Leute haben sich regelrecht gestritten, bei wem wir nun essen. Echt, sowas passiert einem wirklich nur einmal im Leben!Am anderen Tag, nach wiederum einem ueberreichhaltigen Fruehstueck (Arepas (Maistaetschli), kleine, fritierte Bananen, Tortilla, Brot,.....) gings auf einen Paseo (Spaziergang) durch Ricaurte, gefuehrt von einer Einheimischen. Wir besuchten neue Viertel, die meine Eltern nicht mehr kannten, und stiegen etwas hinauf, um einen schonen Blick auf das Dorf zu erhaschen. Das war schoen! Doch nach der Haelfte ging wieder das Gestreit los, bei wem wir nun Fruechte essen gehen. Increible! Wir bekamen feine Papayas. Nachher musste ich unbedingt noch ein T-Shirt kaufen. Einfach, um eine Erinnerung an Ricaurte zu haben. Als ich dann fuendig wurde, und mit zwei neuen T-Shirts nach Hause kam, bekam ich von den drei Lehrerinnen ein Geschenk... Ein T-Shirt!!! (Ich habe irgendwann einmal erwaehnt, ich wolle mir ein Erinnerungst-Shirt kaufen!! Die haben das aufgenommen, unglaublich) Nach einem letzten, wieder riesigen Almuerzo bei den Profesoras (mit Kuerbissuppe mit Kaese!) mussten wir uns leider schon wieder verabschieden. Wir waren froh, endlich nicht mehr so viel essen zu muessen, aber ich war auch traurig, wieder fortgehen zu muessen. Ich vermute, ich war nicht das letzte mal dort... Uebrigens, Rosche hat es auch gefallen ;-)
 

 

From Igor on Feb 26th, 2010

Ich kann mir nicht erklären, wie du auf die lustige Idee kommst, dass dies ein uninteressanter Journaleintrag sei. Ist wahrscheinlich einer der besten bisher, voller Emotionen und mitten aus dem Leben. So ähnlich geht's mir beim Familienbesuch in Kroatien... Merci und bis bald :-)

From mirco on Mar 1st, 2010

hola cris y rosché, ich hoffe es gad üch guet und ihr hends erdbäbe unbeschadet überstande?! hender in trujillo öppis vom tsunami gmerkt? meldid üch doch bitte schnell hiä! Merci! Gruess

From roschE on Mar 1st, 2010

@mirco: do in peru esch nüd passiert smeer heig sech es par meter zrog zoge aber well ebe gsi esch heds kei grossi welle gä. Ps spezielli platform zor komunikation öber üses wohlbefende wo du do wählsch, forallem wens schnell mus go.

From Mirjam on Mar 2nd, 2010

Alles klar, warum d eltere früener immer en rucksack voll z ässe debi gha hend.. ;) tönt herrlich, freu mi scho ufd Föteli vo de Eltere!! bisou

From sofra on Mar 3rd, 2010

Cris ganz toll, dass sich dein sehnlichster Wunsch, Ricaurte deinen Geburtsort wieder zu sehen, erfüllt hat und du deine innere Ruhe gefunden hast. Besonders schön auch, dass du dieses Erlebnis mit deinen Liebsten teilen durftest. Wir wünschen euch beiden eine unbeschwerte, schöne Zeit bei eurem zweiten Einsatz in Trujillo und hoffentlich noch ganz, ganz viele unvergessliche Erlebnisse. Geniesst es und lasst bald wieder etwas von euch (lesen) hören. Grüess vo de Heimat

From cris on Mar 5th, 2010

@sofra: ja, mein traum ging in erfuellung... aber die innere ruhe fand ich glaub noch nicht so richtig.... dazu muss ich nochmals gehen. mich hat das ganze extrem aufgewuehlt...ach, es war soooo schoen!!!

From sofra on Mar 6th, 2010

@cris:aber du bist dir selber schon ein ganzes Stück näher gekommen!Und dein Weg geht weiter... auf ein nächstes Mal in Ricaurte.

From Andrea on Mar 7th, 2010

Wunderschön, wie uf de Föteli strahlsch :-) *feschtdrück*