Loading Map...

La esucuela

Written on: Saturday November 14th, 2009

A journal entry from: America del Sur

Als ich das erste mal in der Schule in Alto Trujillo war, war ich nachher so was von fertig, dass ich dachte, ich halte das keinen zweiten Tag durch? ;-). Rosche ist in der Klasse der vierjaehrigen, ich bei den Erstklaesslern.

Man stelle sich vor, 33 sechsjaehrige Kinder, davon ca. 3 oder 4 hyperaktive. Sie sitzen an drei Tischen, Arm an Arm in einem kleinen Raum. Sie haben kein Platz fuer sich, viele haben nicht mal ein Bleistift. Hefte haben die meisten, aber es gibt auch solche ohne. Die bekommen dann jeweils ein weisses, leeres Blatt, ohne Linien. Es wird prinzipell alles von einem Whiteboard() abgeschrieben. Ab und zu mal eine Kopie, die auch ins Heft geklebt wird. Eine meiner Aufgaben, ca einmal pro Woche, ist, die Arbeitsblaetter zurecht zu schneiden. Da bin ich dann etwa eine Stunde nur am Schneiden?!

Oft muss ich auch korrigieren. Super, man korrigiere mal auf Spanisch, wenn man die Rechtschreibung selber nicht beherrscht? ;-). Zudem kann ich oft die Schrift der Kinder nicht lesen, da sie einige Buchstaben anders schreiben als wir. Aber gaell, mr gwoehnt sich ja a viel ;-)!

In den Klassenzimmern ist es auch immer sehr laut. Ist ja klar, so viele Kinder auf kleinem Raum! Ich dachte ich spinne, als ich die ersten Tage in der Schule war. Wie die Lehrerin so unterrichten kann, ich staune!! Es ist nie, aber auch gar nie still. Sie schwatzen immer durcheinander, strecken nicht wenn die Lehrerin was fragt (auch wenn sie noch sagt, sie sollen strecken!!). Sie schreiben sich ab, nerven einander und kommen logischerweise mit ihren Soergeli zu mir oder zu der Lehrerin, was dann wiederum den Unterricht stoert. Sowieso sind immer ein para am umherlaufen, spitzen, aufs WC gehen, einander am Sachen klauen oder am "schlaegle". Aber die Lehrerin meiner Klasse ist sehr taff, und gibt sich wirklich Muehe. Aber gell, was will man, mit so vielen kleinen Rabauken. Am ersten Tag in der Schule, gleich in der ersten halben Stunde hat sie mich gefrtag, ob ich eine neue Methode haette, was man machen koennte mit den Hyperaktiven. Dies natuerlich auf Spanisch. Mann, wurde ich ueberfahren! Ich konnte gar nichts sagen. Wir waren ja auch erst ca 4 Tag im Land, und mein Spanisch war noch in den allerallerallerersten Anfaengen. Zudem, was will ich sagen, wir haben in der Schweiz Medikamente und Heilpaedagogen, aber das nuetzt ihnen ja gar nichts.

Was sie vielleicht machen koennten (aber da habe ich auch nichts zu sagen), waeren mehr Pausen. Der Schulaltag der Kinder siehts so aus (in der 1. Klasse) 7. 30 Uhr beginnt die Schule, mit gemeinsamen Aktivitaeten auf dem Schulhausplatz. Um ca 7.45 Uhr muessen sie im Klassenzimmer sein. Es werden die Namen herunter gelesen, ob alle da sind. Oft fehlen auch ein oder zwei Kinder. Man weiss dann nicht genau, warum, sie haben ja kein Telefon zum sich abmelden. Ja, und dann beginnt der Unterricht. Um ca 8.45 Uhr bekommen sie eine Tasse heisse Milch, und 3mal pro Woche auch ein Broetchen dazu. In den einen Broetchen hat es Kaese aus der Schweiz, hergestellt von Emmi, gesponsert vom Swiss Couverment J! Das ist kein gemuetliches Fruehstueck, es muss schnell gehen. Oft werden einige Kinder gar nicht fertig mit essen. Dann wird weiter gebueffelt, ein Fach nach dem anderen, ohne Pause, die einen Kinder sind dann noch Mathe vom Whiteboard am abschreiben, waehrend die Lehrerin schon bei Mensch und Umwelt ist und da etwas erklaert. Um 11 Uhr duerfen sie im Zimmer an ihren Plaetzen endlich etwas essen. Dann haben sie meistens eine kurze Pause, wo sie nach draussen gehen duerfen. Aber auch nicht immer, manchmal wird gleich weiter gearbeitet. Bis um 13 Uhr, da ist dann Schule aus. Am Nachmittag haben sie keinen Unterricht. Aber stellt euch vor, von 7.30 Uhr bis 13 Uhr, nur mit zwei kurzen Unterbrechungen, muessen die Kinder immer konzentriert und dabei sein?. Ich denke, wenn die Kinder etwas mehr Pausen haetten, waeren sie schon etwas ruhiger?..

Etwa 2 oder 3 mal pro Woche haben sie Sport oder Tanz Unterricht. Das sieht folgendermassen aus: Die Kinder muessen in Reih und Glied aus dem Schulzimmer (uebrigens auch wieder rein, auch nach der Pause, es wird angestanden, und jedes Kind muss sich mit Seife in einem Becken die Haende waschen) auf den Platz gehen. Dann verkuendet der Lehrer, was getan wird. Beim Tanzen (zu Marschmusik!!!!) stehen am Anfang noch alle Kinder im Kreis und machen sogar mit! Aber dann muessen 6 Kinder in die Mitte. Die tanzen dan wirklich. Alle anderen machen dann irgend etwas anders. Spielen Klatschspiele, lieben am Boden rum, rennen hintereinander her, "schlaegled", oder machen sonst was. Der Lehrer sagt dazu gar nichts. Am Anfang habe ich noch versucht, die Kinder dazu zu bringen, dabei zu bleiben. Aber mir folgen sie sowieso nicht, und mit dem Spanisch happert es auch. Nunja, da hab ich es halt so ziemlich aufgegeben. Sport sieht gleich aus, die Jungs bekommen einen Fussball, wer will kann spielen, die anderen machen irgend etwas. Leider erscheint mir der Sportlehrer ziemlich unmotiviert?. Schade! Mit der Energie der Kinder koennte man wahrscheinlich viel machen. Aber es ist auch extrem schwierig, die Aufmerksamkeit von 33 Kinder zu haben J. Ich moechte den Job glaub auch nicht haben ;-).

Ich bin schon wieder so viel am Schreiben, sorry! Aber noch ein letztes Wort zur Schule. Spannend ist naemlich auch, wie krass diese Kinder gefordert werden. Mein sechsjaehrigen Kinder koennen lesen, schreiben, rechnen schriftlich minus und plus, mit Zahlen bis 1000, haben Englisch im zweiten Jahr. Zudem haben sie auch schon Chemie, im Moment ist das Thema Wasser, also H2O?. Natuerlich auf kindlichem Niveau. Aber trotzdem. Ich habe erste einmal erlebt, dass ein Lied gesungen wurde. Oder ein Spiel machen??? Sowas gibts nicht. Es wird getrimmt bis zum es geht nicht mehr. Auch die vierjaehrigen von Rorsches Klasse lernen Lesen und Schreiben, das hat nicht viel mit Kindergarten zu tun.Wir vermuten, dass die Kinder so getrimmt werden, damit sie vielleicht spaeter mit einer guten Bildung besser verdienen, oder auf jeden Fall einen Job finden. Krass, nicht???

Wie Cris geschrieben hat, bin ich im Kindergarten bei den 4-Jaehrigen, und schreibe euch auch noch ein paar Saetze zum Kindergarten. Es ist tatsaechlich so das die Kinder viel mehr getrimmt werden als in der Schweiz, und das nach militaerischen Formen! Das faengt schon an, mit in Zweierreihe aufstellen, rechts Jungs und links Maedchen, die kleinsten vorne und mit der Armlaenge Distanz einhalten. Die 4-Jaehrigen lernen Zahlen von 1 bis 10 schreiben, lesen und zusammenzaehlen. Alle Buchstaben von a bis z wie auch Kombinationen ma me mi mo mu pa mama papa ama amo und so weiter werden gelernt. Also mit unserem Kindergarten hat das nicht viel zu tun. Zum Teil koennen die kleinen Knoepfe auch schon richtig schoen schreiben aber die meisten geben sich nicht viel Muehe, wollen lieber zeichnen oder andere Kinder aergern. Auch die 4-Jaehrigen gehen fleissig in den Tanzunterricht, was sicher gut ist aber etwas Sport wie Fussball oder normales "Zenggi" waere sicher auch nicht schlecht. Das ganze Schulsystem ist auf Leistung der Schule aufgebaut, so werden Kinder, die nicht mitkommen, einfach mitgeschleppt und nicht speziell gefoerdert oder koennen eine Klasse wiederholen. Die Eltern wuerden dies auch wohl kaum akzeptieren, dass ihr Kind in der Schule nicht genug gelernt hat. Die Schule ist schliesslich fuer das Weiterkommen der Kinder verantwortlich.

 

From Igor on Nov 15th, 2009

Coole Fotos und interessant, von euren Erfahrungen zu lesen. Wir als Luxus-Verwöhnte Schweizer können uns das gar nicht vorstellen, das muss man selbst gesehen haben. Und diese Kinder haben wenigstens die Chance auf Bildung... das ist bei weitem nicht selbstverständlich.

From Martina on Nov 15th, 2009

Hello, ist eure Schule eigentlich eine Seltenheit oder hat es viele dort? Finde es schön, dass diese Kinder eine Chance bekommen. Dies ist ja nicht selbstverständlich... Es freut mich sehr eure Berichte zu lesen, auch wenn sie lang sind ;-) Big hug

From Maestro Rana on Nov 16th, 2009

Hola guapos! Las historias sobre la escuela son muy interesantes y totalmente diferentes a las que contaria yo de Suiza. Pero me parece muy importante que todos esos niños puedan ir a la escuela! Asi por lo menos tienen una posibilidad de poder salir de Trujillo alto! Besotes y abrazos Martin

From Maestro Rana on Nov 16th, 2009

Guapos war übrigens wegen dem schönen neuen Profilfoto;)

From faebel on Nov 16th, 2009

da wird einem doch wieder mal bewusst wir gut wir es doch bei uns haben auch wenn wir manchmal das Gefühl habe es sei nicht so. Und umso toller gibt Es Menschen wie Euch die Ihre Zeit auch solchen Projekten widmen.

From Marietheres und Hans on Nov 16th, 2009

Spannend zu lesen, eure Bericht. Auch die Bilder gefallen uns. Wir staunen, was die kleinen Kinder bereits können. Was ist das für ein Berg im Hintergrund auf dem fünften Bild?

From Markus on Nov 16th, 2009

Euer Kommentar liest sich locker, spannend. Der 'Chrampf' kommt nicht recht rüber, obwohl ich euch den abnehme. Manchmal habe ich mich wieder ertappt, dass ich mich beim Lesen in Ricaurte wiederfand - laut lachend...eine andere aber faszinierende Welt. love

From sofra on Nov 16th, 2009

Hola maestra! Hola maestro! Isch ja voll krass, das geballti Schuelpensum a eim Tag, a eim Stuck !!! Wie meings Jahr mond de die Chind dete in Trujillo alto die "Tortur" durestah ? Wird das im ganze Land a allne Schuele so g'handhabt ? Für die Chind isch es ja sicher besser und (nur machbar) wenn sie dä Weg zur Schuel nur einisch im Tag mönd ga. Oder wie gsend ier zwoi das ? Ues würdi eigentlich nu de Kommentar vo üchne vielne LehrerInne ;-)Kollege zu dem Thema intressiere. Mier sind da nid kompetent ;-))) So, hoffentlich hend mier üch nid überforderet mit dene vielne Frage ;-))) Also lönd vo üch ghöre !!! Recuerdos Cris und Rosche

From cris und rosche on Nov 18th, 2009

@martina: es gibt schon noch weitere schulen dort in alto trujillo. aber wir haben keine ahnung wie das aussieht mit den kosten. unserer kostet ca 20fr. jahresbeitrag. fuer eltern, die sich dies nicht leisten koennen, gibt es teil- oder auch ganze stipendien. dies zahlt dann usda. jedoch muessen diese eltern sich mehr in der schule engagieren, z.b. putzen, fruehstueck machen, abwaschen,... etc. wir nehmen an, die anderen schueln sind teurer. es gibt zwar noch eine andere, die irgendwie auch von einem Hilfsprojekt ist. aber wir wissen nicht viel davon. und alto trujillo ist riesig!!! @marietheres und hans: leider haben wir keine ahnung wie der berg im hintergrund heisst. es hat viiiiele von diesen! dahinter sind dann gleich die anden. leider ist es immer so dunstig, dass man nie richtig in die berge blicken kann ;-( @sofra: keine ahnung. die schule steht noch in den kinderschuhen. es gibt dort bei usda zwei kindergaerten und ab maerz hat es dann 1.-3. Klasse. ziel waere, bis zur 6. klasse die schule zu fuehren. aber das kostet halt.... mal schauen wies weiter geht. wies sonst in peru ist, weiss ich gar nicht. werden wir mal noch abklaeren! und die schulwege sind auch hier sehr unterschiedlich. aber die meisten haben gar nicht sooo lange schulwege. aber die muetter bringen sie meistens, und holen sie auch wieder ab. und das logischerweise zu fuss. und auf sand... sehr streng!!! und neinei, fraged nur, mier antwortet gaern! mier findets cool wenn ier so ateil naemed a uesem laebe hie. mier sind ganz sicher ned ueberforderet!!!!

From cris on Nov 18th, 2009

uebrigens, de titel vo dem blog itrag (la escuela) hed de rosche gschriebe ;-))))

From Severa on Nov 20th, 2009

Isch ja voll idrücklich! Ganz liäbi Grüess