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Lhasa

Written on: Monday October 1st, 2007

A journal entry from: mongolia/china/nepal

1.-8. Oktober 2007

Abends stiegen wir in Xining in den Zug nach Lhasa ein und verspeisten genuesslich unsere vermutlich letzte Instant-Noodle-Soup in einem Zug. Morgends, als wir erwachten und aus dem Fenster schauten, dachten wir, wir seien auf einem anderen Planeten. So drueckten wir den ganzen Tag unseren Nase und Finger ans Fenster. Vermutlich sind dort jetzt noch unsere Abdruecke zu finden. Es war einfach unbeschreiblich, daher sollen hier mehr die Bilder sprechen.

In Lhasa konnten wir schon wieder unsere FlipFlops und kurze Hosen auspacken. Denn trotz der beachtlichen Hoehe (3600mueM) ist es angenehm warm, Mittags in der Sonne sogar ziiiemlich heiss. Eigentlich auch kein Wunder, denn wir sind hier suedlicher als Tunesien.

Wir erkundeten gleich die Altstadt und begaben uns in den Strom von unendlich vielen Pilgern auf der Kora rund um den Jokhang Tempel. In der ganzen Altstadt gibt es sehr viel zu erkunden und zu entdecken. Vorallem hat es hier so viele Cafes und Retaurants, so dass wir jeden Tag eine Kneipentour machen koennen ohne zweimal in derselben Beiz zu landen. Nebst tibetischem Essen und Trinken locken die feinen indischen, nepalesischen, chinesischen und last but not least westlichen (die sogar noch gut schmecken) Angebote. Ebenfalls zahlreiche und tolle Massageangebote gibt es. Eigentlich sind wir ja schon voellig entspannt und locker, absolut ohne Verspannungen oder so, aber Massagen sind einfach schoen.

Bei all den Annehmlichkeiten des Lebens hier in Lhasa verkommen wir aber (noch) nicht zu Kulturbanausen. Wir haben schon einige Sehenswuerdigkeiten angeschaut.

So zum Beispiel das Drepung Monastery. Mit dem Velo (das erste, das ueberhaupt den Namen Velo verdient) fuhren wir ein paar Kilometer raus aus Lhasa und hinauf zum Kloster. Keuch, keuch, lechz, das war ja strenger als die Sattelegg, und das bei wenigen Hoehehnmetern. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt. Das Kloster war sehr spannend anzuschauen, wir verbrachten Stunden darin. Es gibt so viele kleine Raeume und alles ist total verwinkelt. Strukturen gab es damals wohl noch nicht beim Bau des Klosters. Frueher lebten hier ca. 7'000 Lamas (=Moenche), heute duerfen hier maximal 700 sein. Die meisten davon sahen wir sogar beim Debattieren. Debattieren ist die Nachmittags-Spass-Stunde fuer die Lamas. Es laeuft ungefaehr so ab: der Angreifer steht und stellt klatschend und stampfend seine (philosophische) Frage. Der Verteidiger sitzt auf dem Boden und versucht clevere, logisch dialektische Antworten zu finden. Diese Antworten werden dann vom Angreifer aufgenommen, weitergedacht und soweit zerpflueckt, bis sich ein logischer Widerspruch ergibt und beide schallend loslachen. Und das ganze geschieht an einem lauschigen Platz unter den Baeumen, und alle Lamas des Klosters debattieren gleichzeitig. Welch ein Geschnatter und Gelaechter! Die ganz die guten Debattierer erhalten vom Big Lama Belohnungen in Form von Geld.

Ein anderes, fantastisches Kloster ist das Ganden Monastery. Hier fuhren wir ganz frueh morgens mit allen einheimischen Pilgern mit dem oeffentlichen Bus hin. Ui war das ein Gemurmel (=beten) und saurer Geruch (=Yakbutter) so frueh morgens. Rechtzeitig zum Sonnenaufgang kamen wir beim Kloster hoch oben auf dem Berg (ca. 4500mueM) an. Wir begaben uns zusammen mit den Pilgern auf die Kora (~Kreuzweg) rund um den Berggipfel und kamen auf der Rueckseite ins Kloster rein. Der ganze Weg war gesaeumt von Chrysanthemen-Feuern, farbigen Gebetstuechern und murmelnden Pilgern. Den Lamas haben wir beim Beten, d.h. murmeln und singen zugehoert, sowie auch beim Tsampa essen zugeschaut. Tsampa ist ein mehliges Gemantsche aus Yakbutter-Tee und irgendetwas das so aehnlich schmeckt wie Porridge, Weetabix und Mehl.

Natuerlich darf auch der Potala Palast nicht ausgelassen werden. Obwohl das ganze so langsam aber sicher etwas muehsam wird, bis man ein Ticket erhaelt und die genauen Besuchzeiten, von wann bis wann man sich drinnen aufhalten darf, lohnt es sich dennoch. Wir erklommen hunderte von steilsten Treppenstufen, zwaengten uns durch Touristengruppen, versuchten die glaeubigen Pilger nicht allzu stark zu stoeren und bestaunten die zahlreichen Buddah-Statuen, goldigen Modell-Haeuschen, oh sorry Mandalas, den Inthronisations-Raum fuer den naechsten Dalai Lama, die Graeber der vergangenen Dalai Lamas, und und und ...

Ach ja, dann hatten wir gestern ein Erlebnis der besonderen Art: Aufgrund eines kleinen Missverstaendnisses - oder war es doch eher eine chinesische Abzockerei oder gar ein Betrug? - wollten wir von einem Chinesen unser Geld zurueck. Abgemacht war, dass er uns Tickets fuer den Potala besorgt und verkauft. Wie sich herausstellte, erhielten wir nur den Vaucher dafuer. Er wollte partout das Geld nicht herausruecken. So liessen wir die Polizei kommen. Und sie kam. In einem kleinen Minibus zu sechst! Als wir vor Ort die Situation nicht klaeren konnten, weil keiner der sechs Polizisten Englisch konnte, wurden wir zusammen mit dem Chinesen und den sechs Polizisten im kleinen Minibus ins Revier gefahren. Dort warteten auf wir auf einen der Englisch konnte. Und wer kam? Ein ganz junger Polizist, kaum 18 Jahre alt, mit der Zigi im Mund. Irgendwann wurde unser Chinese immer lauter, bis er dann mit dem Geld herausrueckte. Was wirklich gesprochen wurde, wissen wir jetzt noch nicht. :-)

Morgen gehts zum Namtso-See und am Dienstag ab auf unsere Tour richtung Kathmandu.

 

From Hanna Tiechl on Oct 7th, 2007

Die Fotos von der Zugfahrt nach Lhasa und in Lhasa sind traumhaft schön.... ich wünsche Euch weiterhin eine erlebnisreiche und wunderbare Reise, und freu mich, dass ich ein bisschen miterleben kann.