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Kashgar

Written on: Thursday September 20th, 2007

A journal entry from: mongolia/china/nepal

19.- 24. September 2007

 

Eigentlich war ja eine andere Route geplant, aber wie es halt so ist mit Plaenen ... immer schoen flexibel bleiben! Wir fuhren per Nachtzug von Tulufan nach Korla und wollten hier einen Bus quer durch die Taklamakan-Wueste nach Hotan nehmen. Doch irgendwie war das in diesem Ort etwas schwieriger als erwartet. Es fuhren nur Nachtbusse und niemand wusste, wann genau die Abfahrtszeit sei, geschweige denn, wo die Tickets erhaeltlich sind. Und das bei einem Langdistanz-Busbahnhof! Vermutlich lag es eher an den Kommunikationsschwierigkeiten als an Tatsachen. So landeten wir schliesslich am Zug-Bahnhof und buchten wieder einmal ein Hard-Seat-Ticket fuer den Nachtzug nach Kashgar. Die Zeit, es war noch Vormittag, bis zur Abfahrt, um 23 Uhr, schlugen wir uns mit lustigen Restaurantbesuchen und openair Billard-Partien mit Einheimischen um die Ohren. Denn in Korla gibt es wirklich nichts zu sehen. Es ist einfach eine kleine Oelstadt am Rande der Wueste.

In Kashgar sind wir in einer anderen Welt gelandet: Die Leute hier sind mehrheitlich Kirgisischer Herkunft und muslimisch. Sie sprechen entweder kirgisisch oder einen uyghurischen Dialekt, chinesisch lieber nicht, wenn schon dann lieber englisch. Die Stadt hat kaum chinesischen Charakter. Nur ganz vereinzelt sind chinesische Gebaeude zu finden. Wenn dann sind schon eher russische Gebaeude vorhanden. Und ueberall gibt es alte Lehmhaeuser. Die Altstadt ist sozusagen in der ganzen Stadt zu finden. Und die ist dann voller Handwerks-Buden und Markttreiben. Es tummeln sich hier komplett verschleierte Frauen, viele Kinder, Marktschreier und und und ...

Wir wollten einen Ausflug in die Berge, nahe der Grenzen zu Pakistan und Kyrgistan, machen. Gluecklicherweise fanden wir umgehend weitere Backpackers, die die selben Absichten und Interessen hatten wir wir - nur dass die teilweise bereits seit mehreren Tagen auf der Suche nach Sinnesgenossen waren. So fanden wir uns zu einer kleinen Gruppe von 6 Personen zusammen, um 3 Tage ueber die Berge zu wandern. Doch wie es halt so ist mit den Plaenen ... Eine Franzoesin musste kurzerhand die NAcht im Spital verbringen. Und da warens nur noch 4. Und auf gehts! Oder doch nicht? Doch doch, die ersten Polizeikontrollposten haben wir problemlos hinter uns gebracht. Aber ploetzlich liess uns einer nicht mehr durch. Heee, was soll das? Brauchst Du noch etwas Nebenverdienst oder was? Nix da, die sind ganz schoen stoerrisch hier. Und so haben wir wieder ganz flexibel umgeplant: Da uns unsere Tour Agency nicht weiterhelfen konnte und keine valablen Alternativen offerierte, schickten wir deren Jeep kurzerhand wieder zurueck nach Kashgar. Unterdessen marschierten wir zu Fuss zu einem nahgelegenen Dorf (3600 mueM). Das wiederum war fuer die Polizei voellig ok. Dieses Dorf war wohl das erste wirkliche Dorf-Dorf, das wir in China sahen. Es gab hier maximal 60 Haeuschen. Die Leute rissen sich darum, bei wem wir schlafen konnten - natuerlich zu einem 'angemessenen' Preis. Umringt von mehr als 7000 Meter hohen Bergen richteten wir uns also in einem Lehm-Haus ein und bestiegen zum Nachmittags-Spaziergang den Hausberg hinter dem Dorf und blickten auf die schneebeckten Gipfel rund um uns herum und auf den fantastischen See Karakol. Nachts deckten wir uns mit zahlreichen schweren und aeusserst farbigen Bettdecken zu um nicht zu frieren, waehrenddem draussen die Yaks muhten, Esel i-ahten und sonst nichts mehr als Stille zu hoeren war. Herrlich! Am naechsten Vormittag fuhren wir auf dem Ruecksitz von Toeffs naeher zum Muztagh Ata (7546 mueM) und gingen, oder besser keuchten dann zu Fuss noch etwas weiter bis auf ca. 4700 mueM. Zurueck im Dorf erholten wir uns noch etwas von der Kaelte und auch von der Hoehe, bevor wir uns schliesslich wieder auf den Weg zurueck richtung Kashgar machten.

Sonntags ist in Kashgar immer grosser Markt-Tag. Insbesondere der Tiermarkt ist hier speziell. Von weit her kommen die Bauern um hier Vieh zu kaufen und zu verkaufen. So gibt es hier nebst unendlich vielen Ziegen und Schafen auch Yaks, Esel, Kamele und Kuehe zu kaufen. Ein fantastisches Schauspiel - aber nicht fuer sensible Tierli-Liebhaber.

Zudem gibt es auch noch den Sonntags-Markt, der mittlerweile jeden Tag stattfindet. Da sind zahllose Haendler fuer alles moegliche, die sich in riesigen Markthallen und engen Gaesschen rund herum draengen. Das ist sozusagen das Glatt-Center von Kashgar. Lustig zuzuschauen, wie sie miteinande verhandeln und diskutieren. Nur mit Touristen verhandeln sie leider nicht, wir muessen Fixpreise zahlen, die jenseits von gut und boese sind. Das sind halt die Nebenwirkungen vom verhaeltnismaessig grossen Markt-Sightseeing-Tourismus hier. Dann shoppen wir eben wieder in den Supermaerkten, da sind die Preise fuer alle einheitlich.

Die Region, in der Kashgar liegt, heisst Xinijang und deckt so ziemlich den ganzen Nordwesten von China ab. Praktisch alles Wuesten-Region, dank einem ausgekluegelten Bewasserungs-System teilweise bewohnbar gemacht. Da diese Region so weit weg von Beijing ist, hat sie eine eigene, inoffizielle Zeitzone (-2h), die nur fuer die lokalen Geschaefte gilt. Zuege und Busse verkehren nach 'Beijing-Time'. Da hier fast nur Minderheiten leben, gilt die Ein-Kind-Politik hier nicht mehr. Minderheiten duerfen soviele Kinder haben wie sie wollen. Aber wenn sie Regierungsaemter bekleiden wollen, muessen sie sich der Weisung von Beijing fuegen. Dasselbe gilt mit der Religionsfreiheit: Jeder darf seine Religion haben, solange er kein Regierungsmitglied sein will oder bei der Regierung arbeitet. Da liegt es wohl nahe, dass es hier einige Separatisten gibt und sie hier aehnlich wie die Tibeter, unabhaengig sein wollen. Tja, schliesslich sind wir hier in Kashgar fast gleich weit weg von Beijing (ca. 4000km) wie von Zuerich (ca. 5500km)! Doch fuer Beijing ist diese Region hier zu wertvoll (Oel, Fruechte, Transportwege) als dass sie hier zu undifferenziert durchgreifen wollen. Natuerlich spielt hierbei auch die 'Drogenstrasse', wie die ehemalige Seidenstrasse heute genannt wird, eine wesentliche Rolle.