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Berg- und Talfahrt

Written on: Thursday August 30th, 2007

A journal entry from: mongolia/china/nepal

24.-26. August 2007 

Brrr, das war eine saukalte Nacht hier zwischen en Bergen, inmitten von hunderten von Murmeltieren und ein paar jaulenden Woelfen ...

Zum Auftauen kraxelten wir auf einen Berg gleich hinter dem Zelt und genossen die ersten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel. Aufgetaut, aufgewaermt und mit Fruehstueck im Bauch fuhren wir um ein paar Ecken und Taeler zwischen den Bergen hin zur Geierschlucht.Es kreisten zahlreiche Geier ueber unseren Koepfen waehrendem wir eine kleine Wanderung durch die Schlucht unternahmen. Normalerweise gibt es hier im Sommer Eis zu bestaunen, doch aufgrund des spaerlichen Regens im Winter und sehr warmen Sommers (vgl. Climate Change) war das Eis geschmolzen. Unser Guide versicherte uns zwar, dass er Anfangs August hier noch 1,5 Meter hohes Eis angetroffen hat ...

Nach der Geierschlucht machten wir Halt in einem Provinznest um unsere Lebensmittel-Vorraete aufzustocken und um endlich wieder einmal zu duschen, yippeh! Die erste (fast richtige) Dusche seit Ulan Bataar vor 9 Tagen!!!

Auf der Weiterfahrt stiessen wir auf ein Nomadenfamilie, die gerade ihre jungen Kamele mit Brandzeichen versahen. Kleine Jungs baendigten die Kamele, brachten sie zu Boden und fesselten sie. Die Frauen heizten das Feuer ein und brachten das Eisen auf Beriebstemperatur und der Chef der Familie setzte die Brandzeichen an. Huiii, die Kamele schrien ganz schoen heftig und die Hunde waren voellig aus dem Haeuschen. Nicht weit weg von diesem Geschehen standen die Stuten und Fohlen, denen es vorher nicht besser erging.

Am Abend kamen wir an genialen Felsformationen an und uebernachteten hier schoen warm und windgeschuetzt unter einem wunderschoenen Sternenzelt. Auf die Frage, obs wieder eine kalte Nacht werden koennte, antwortete unser Guide nur, dass es nicht so kalt ist, es ist ja Sommer...

Wir fotografierten diese Felsformationen ausgiebig in der Morgensonne und fuhren dann weiter zu anderen Felsformationen, unserem naechsten Etappenziel.

Doch wie heisst es so schoen? - der Weg ist das Ziel. Getreu nach diesem Mottowaren die Hoehepunkte des Tages unterwegs:

Wir stiessen auf eine Familie, die ihre Schafschur verwertete. D.h. sie hat die frische Schafswolle geschlagen, gezupft, ausgelegt, in Wasser getraenkt, aufgerollt und gepresst. Dadurch entsteht dicker Filz, der als Isolationsmaterial fuer die Jurten verwendet wird. Wir durften alles selber ausprobieren und mitmachen. Ganz schoen schwer das. Natuerlich fehlte auch eine Einladung in die Jurte zu kommen nicht. Unser Reisegenosse machte sich gerade noch rechtzeitig aus dem Staub, da er die Milchprodukte nicht vertraegt. Wir hatten dafuer die einmalige Gelegenheit frische Kamelmilch zu probieren. Naja, geschmacklich nicht besser als die Stutenmilch, eher noch saurer und salziger, zudem so dickfluessig wie Joghurt. Unser Fahrer hats so gut geschmeckt, er verschlang gleich einige Schalen ganz alleine. Da alle diese Milchprodukte so sauer sind, riecht immer die ganze Jurte sauer. Zu Beginn der Reise konnten wir bei diesen Dueften kaum mehr atmen, doch nun, da wir auch nicht mehr viel besser riechen, faellt es kaum mehr auf. 

Am Nachmittag, als wir die sogenannten Muttersteine (bizarre Felsformationen) erreichten, stiessen wir auf eine Wahlkampf-Veranstaltung, getarnt als ein kleines Nadaam-Fest. Das Pferderennen verpassten wir leider, doch die Ringkaempfe konnten wir mitverfolgen. Das sah echt lustig aus, wie die in ihren kurzen Hosen, dicken Stiefeln und Aermel-Jacken kaempften. Der Sieger ist dann wie ein Adler rund um den Verlierer getanzt, hat ihm eins auf den Hintern gegeben und dann wieder wie ein Adler um die Nationalfahne getantzt.

Nach einem gemuetlichen Essen zwischen diesen Muttersteinen fuhren wir bis zum Eindunkeln weiter Richtung Ulan Bataar. Auf einer grossen, leeren, aber gruenen Ebene nahe der Eisenbahnlinie schlugen wir unsere Zelte zum letzten Mal fuer diese Tour auf.

Am letzten Tag fuhren wir auf direktem Weg nach Ulan Bataar. Seit zwei Wochen wieder das erste Mal auf geteerter Strasse - irgendwie langweilig, wenns nicht mehr schuettelt und ruettelt und nur noch geradeaus geht.

Die Natur war in diesen Tagen sehr karg, kaum Gras oder Gebuesch zu sehen. Entsprechend wenig Jurten und Tiere waren anzutreffen. Erst gegen Ulan Bataar hin wurde es allmaehlich wieder etwas gruener.

 

Am Abend des 26. August 2007 stiegen wir schliesslich in die Transsib, oder wie sie hier genannt wird in die Transmognolian ein und fuhren Richtung China. Trotz Holzklassen-Ticket war es ganz schoen bequem und weich gepolstert. In unserem 4er-Abteil gab es sogar einen LCD-Bildschirm (mit 1 mongolischen Sender) und Teppiche am Boden und an den Waenden. Mal gucken, wie wir morgen in China erwachen.